Die neue Schönheit

Januar 2018

Eigentlich sollten wir es besser wissen, doch das allgegenwärtige westliche weibliche Schönheitsbild wird immer noch wie folgt definiert: schlank, makellos, sexy.
Diesem Ideal entsprechen jedoch nur die wenigsten Frauen. Die Folge: ein immer kleiner werdendes Selbstwertgefühl. Doch ein Gegentrend naht: Body Positivity (die positive Einstellung zum eigenen Körper) nennt sich die Bewegung, die sich für mehr Akzeptanz und Selbstliebe einsetzt. Wir haben dem Phänomen ein ganzes Dossier gewidmet.

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Thigh Gap (durchgängige Lücke zwischen den Oberschenkeln), Ab Crack (Spalte, die vom Bauchnabel aufwärts verläuft und nur bei einem unterdurchschnittlichen
Körperfettanteil sichtbar wird) und wie sie alle heißen – allesamt Trends, die uns täglich in den sozialen Medien begegnen und sehr fragwürdige Schönheitsideale verherrlichen. Denn welche normale Frau, die weder Model noch Profisportlerin ist, sieht so aus? Genau, kaum eine. Wussten Sie eigentlich, dass eine Konfektionsgröße 38 schon als Plus Size (Übergröße) gilt? Die deutsche Durchschnittsfrau trägt übrigens eine 42 – das sind circa fünf Kleidergrößen mehr als die Damen, die uns tagtäglich aus Zeitschriften oder diversen Instagram-Feeds entgegenlächeln. Kein Wunder, dass man sich da irgendwann weniger hübsch und selbstsicher fühlt. Man vergleicht sich
schließlich ständig mit anderen oder ist der Bewertung anderer ausgesetzt. Diese fragwürdigen Ideale verunsichern insbesondere junge Frauen, animieren sie zu Diäten oder exzessivem Sportverhalten – beides endet nicht selten in einer Essstörung. Auch die Zahl der Schönheitsoperationen steigt, die Patientinnen werden dabei immer jünger. Warum? Der Druck, einem Ideal entsprechen zu müssen, ist immens geworden. Selbstoptimierung steht an erster Stelle, von Selbstakzeptanz ist dagegen kaum die Rede.

Body Shaming (sich für seinen eigenen Körper schämen) kann in viele verschiedene Richtungen gehen und existiert nicht erst, seit es Social Media beziehungsweise die
Selbstdarstellungsplattform Instagram gibt. Nicht wenige von uns haben eine der folgenden Situationen in ähnlicher Weise schon einmal selbst erlebt: der Vater, der
fragt, ob das zweite Stück Kuchen noch sein müsse, die Tante, die sich erkundigt, ob man jetzt gar nichts mehr essen würde, oder die Kolleginnen, die sich hinter dem Rücken darüber austauschen, ob man mit „diesen Oberschenkeln“ nicht lieber einen bodenlangen Rock tragen sollte. Solche Äußerungen bleiben im Gedächtnis hängen und nagen an unserem Selbstwertgefühl.

Zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn, schlechte Haut, zu dunkle Haut – alles keine Gründe, sich nicht selbst zu lieben! Dazu stehen glücklicherweise immer mehr Frauen – allen voran Schauspielerinnen und Aktivistinnen wie Lena Dunham oder Amy Schumer, die sich für mehr Selbstliebe und mehr Akzeptanz für alle Körperformen einsetzen. Body Positivity heißt das Stichwort. Diese Bewegung kommt aus dem modernen Feminismus und trägt das Mantra: „Jeder Körper ist schön.“ Eine Einstellung, die aufatmen lässt. Denn wer diese Grundannahme verinnerlicht, dem wird es leichter fallen, sich selbst so zu akzeptieren und lieben, wie er ist.

Frauen sollten ihren Körper nicht mit inszenierten Bildern vergleichen und sich dadurch schlecht fühlen, finden die Body-Positivity-Aktivistinnen. Viele Blogger und Instagrammer gehen mittlerweile sogar selbst gegen die Problematik an, indem sie zeigen, wie schnell man ein Bild manipulieren kann: Realität gegen Inszenierung sozusagen. Eine vorteilhafte Belichtung oder Körperposition kann nämlich so einige Kilos wegschummeln, Fotofilter lassen die Haut gleichmäßiger und faltenfreier aussehen und, und, und.

Auch große Unternehmen reagieren mittlerweile auf diese erfreuliche Kehrtwende in Sachen Körperbewusstsein: Der britische Online-Versandhandel Asos verzichtet beispielsweise seit 2017 auf Fotoretusche. Ein erster Schritt in die richtige Richtung. Sogar die Barbie-Puppe hat vom Hersteller Mattel eine Generalüberholung erhalten. Die Puppen gibt es von nun an mit realistischen Proportionen in kurvig, groß und klein, die die Diversität der verschiedenen Körperformen widerspiegeln sollen.