Reportage

Ein besonderes Bedürfnis nach Schönheit

November 2015

Die Diagnose Krebs ist meist gleichbedeutend mit dem Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Gerade während der Behandlung ist es deshalb so wichtig, seine Lebensqualität zu verbessern. Aus diesem Grund bietet Eau Thermale Avène spezielle Make-up-Workshops für Onkologie-Patientinnen an. Unsere Redakteurin war vor Ort und hat dabei eine ganz besondere junge Frau kennengelernt.

Artikel lesen

Mittwochmorgen, 11 Uhr in Berlin-Kreuzberg, ganz in der Nähe des Checkpoint Charlie. Die Juli-Sonne scheint, die Vögel zwitschern – ein schöner Tag. Ich bin auf dem Weg zu einem ganz besonderen Termin in der Pierre Fabre Akademie, wo in der Regel Schulungen für pharmazeutisch-technische Angestellte, Dermatologen, Kosmetiker und Friseure, nicht nur in Sachen Avène, stattfinden. Heute bin ich jedoch zu einer ganz besonderen Veranstaltung eingeladen: dem Couvrance-Workshop für Onkologie-Patientinnen von Eau Thermale Avène. Hier wird in lockerer Atmosphäre, ganz unter Frauen, gezeigt, wie man ein frisches, natürliches Tages-Make-up schminkt. Das soll es den Patientinnen ermöglichen, sich in ihrem Alltag wieder schön und auch ein Stück weit normal zu fühlen. Die Workshops basieren auf der Philosophie des Avène Gründers Pierre Fabre: Ein Make-up soll nicht die Blicke auf sich ziehen, sondern unangenehme Blicke von sich fernhalten – so normal wie möglich aussehen ist das Ziel. Viele Chemotherapie-Patienten haben nämlich nicht allein mit ihrer Krankheit und ihrem veränderten Aussehen zu kämpfen. Sie sind ebenfalls den neugierigen, oftmals mitleidigen Blicken der Menschen in der Öffentlichkeit ausgesetzt. „Man hat immer das Gefühl, die Leute starren einen an und wissen sofort, was los ist. Das ist einfach kein schönes Gefühl, wenn man sich sowieso schon nicht wohl in seiner Haut fühlt“, hört man Betroffene oft sagen. Genau hier setzen die Workshops an, die es seit 2008 gibt und die mittlerweile in ganz Deutschland stattfinden.

Ein Stück Normalität zurückgewinnen – das ist das Ziel unserer Workshops

„Heute ist es eine besonders große Gruppe“, verrät mir Eva Gulden, medizinische Kosmetikerin, ausgebildete Visagistin und Trainerin bei Pierre Fabre Dermo-Kosmetik, die heute den Workshop leitet. Ich bin gespannt auf die Teilnehmerinnen, die Atmosphäre, habe ein mulmiges Gefühl im Bauch. Beim gegenseitigen Kennenlernen zu Anfang der Veranstaltung fällt mir sofort eine hübsche junge Frau mit langen blonden Haaren und einem einnehmenden Lächeln auf. Ich spreche sie an und wir kommen ins Gespräch.
Melanie ist 25 Jahre alt und arbeitet als Erzieherin. Von der Diagnose Brustkrebs hat sie vor vier Monaten erfahren. „Dann ging auf einmal alles ganz schnell“, erklärt sie. Chemotherapie – dieses beängstigende Wort – sei relativ bald gefallen. „Weißt du, was am schlimmsten für mich war?“, fragt sie mich. „Dass ich genau wusste, dass mir bald meine geliebten langen Haare ausfallen würden.“ Man sieht es ihr an – Melanie wirkt bei der Erinnerung an ihre einstige Haarpracht wirklich traurig. Doch im nächsten Moment lacht sie schon wieder, während sie auf ihre blonde Langhaarperücke zeigt und erklärt: „Aber die sind auch nicht schlecht, ich kann wirklich alles mit ihnen machen, sogar Lockenwickler eindrehen, außerdem wachsen meine eigenen Haare schon langsam wieder nach.“

Melanies offene und fröhliche Art nimmt mich sofort ein. Doch dann fällt mir wieder ein: Melanie gehört zu den 57 000 Frauen, die in Deutschland jährlich an Brustkrebs, einer bösartigen Veränderung des Brustdrüsengewebes, erkranken. Die Heilungschancen dieser Krebsart sind im Vergleich zu anderen relativ hoch, besonders wenn die Erkrankung früh erkannt wird. Das Behandlungsspektrum reicht von Chemotherapie und Bestrahlung bis hin zu Hormon- und Immuntherapie oder einer Operation. Die Nebenwirkungen, vor allem die der Chemotherapie, sind beträchtlich und bedeuten einen schweren Einschnitt in den Alltag der Betroffenen. Abgesehen von Symptomen wie Übelkeit oder Schleimhautentzündungen, verändert sich auch das Äußere stark. Die Haare fallen aus – und das gilt nicht nur für das Kopfhaar, sondern auch für Augenbrauen und Wimpern. Auch das Hautbild verschlechtert sich in den meisten Fällen sehr.

Die Mehrheit der Teilnehmerinnen ist 50 Jahre oder älter, allerdings sind oftmals auch Frauen in den Dreißigern oder jünger dabei – so wie Melanie.

„Die meisten Patientinnen, die an unseren Workshops teilnehmen, haben Brustkrebs und befinden sich gerade in der Chemotherapie“, erklärt mir Eva Gulden, die seit den Anfängen der Initiative mit an Bord ist. „Die Mehrheit der Teilnehmerinnen ist 50 Jahre oder älter, allerdings sind oftmals auch Frauen in den Dreißigern oder jünger dabei – so wie Melanie. Das ist dann schon hart. Aber umso schöner ist es zu sehen, wie die Patientinnen sich während dieser zwei Stunden ganz unbeschwert über ganz normale Themen wie Kosmetik austauschen und Tipps und Tricks für einen natürlichen, gesunden Look mit auf den Weg bekommen. Sie können dann für zwei Stunden einfach mal wieder Frau sein und die Krankheit vergessen.“

melanie-a5f1b89a9f276f7f6b185a7dede563c8
Melanie ist trotz ihrer Krankheit immer für einen Spaß zu haben. „Lachen heilt“, das ist ihr Mantra.

Mittlerweile haben wir alle an einem großen Tisch Platz genommen. An jedem Platz stehen ein Schminkspiegel und verschiedene Kosmetika von Avène, die während des Workshops zum Einsatz kommen werden. „Ich bin gespannt, ob ich noch ein paar neue Tricks oder tolle Produkte kennenlernen kann. Ich habe mich schon immer total gerne geschminkt. Sogar meine Freundinnen fragen mich öfter, ob ich ihnen nicht das Make-up oder die Haare machen kann“, flüstert mir Melanie zu, die neben mir sitzt.
Der Workshop beginnt mit einer für mich sehr berührenden Geste: Eva Gulden bietet den Frauen aufgrund der warmen Außentemperatur an, ihre Kopfbedeckung (Tücher, Perücken) abzunehmen. Zu meinem Erstaunen folgen alle Teilnehmerinnen diesem Angebot, sie wirken wie befreit, die Stimmung verändert sich augenblicklich. Ich habe einen Kloß im Bauch. Spätestens jetzt ist die Tatsache nicht mehr zu übersehen: Diese Frauen haben Krebs.
Unter Eva Guldens Anleitung reinigen wir uns erst mal das Gesicht und tragen anschließend eine Creme für überempfindliche Haut (noch eine Nebenwirkung der Chemotherapie) auf. Jetzt geht es an die Foundation: Wir bekommen erklärt, wie man Augenringe et cetera abdeckt, den richtigen Ton fürs Make-up auswählt und es anschließend aufträgt, ohne maskenhaft auszusehen. Die Teilnehmerinnen setzen die Tipps gleich selbst in die Tat um, damit sie ein Gefühl für die Produkte und deren Anwendung bekommen. Teilweise sind sie ganz erstaunt über das Ergebnis: „Mein Teint sieht ja auf einmal richtig frisch aus!“

Die Teilnehmerinnen setzen die Tipps gleich selbst in die Tat um, damit sie ein Gefühl für die Produkte und deren Anwendung bekommen.

Weiter geht es mit der größten Herausforderung: den Augenbrauen. Ich hätte niemals gedacht, dass es so schwer ist, diese frei Hand zu zeichnen, besonders wenn von den ursprünglichen Brauen nichts mehr übrig ist. Doch Eva Gulden beruhigt die Gruppe: „Die Augenbrauen nachzuzeichnen erfordert unheimlich viel Übung, aber ihr schafft das sicher nach einer Weile.“ Melanie kann diese Aussage nur bestätigen. Nachdem alle Teilnehmerinnen wieder schöne Brauen haben, geht es an die Betonung der Augen. Wer noch ein paar Wimpern hat, kann diese vorsichtig tuschen. Sind vorübergehend keine vorhanden, kann man das Auge mit einem Kajalstift betonen oder zu künstlichen Wimpern greifen. Aber auch das ist nichts für Schminkanfänger. Zum Schluss tragen die Frauen noch etwas Rouge und einen dezenten Lippenstift auf. Dieser frische Look verändert die Stimmung der Frauen: Viele möchten den Spiegel gar nicht mehr aus der Hand legen und sind begeistert, was man mit wenigen Pinselstrichen erreichen kann. „Ich habe mich vorher nie wirklich geschminkt, aber jetzt werde ich sicher öfter zum Kosmetiktäschchen greifen“, ruft eine etwa 50-jährige Frau begeistert. Die restliche Zeit verbringen die Frauen mit lockeren Gesprächen und Erfahrungsaustausch, bis sie sich nach zwei Stunden mit einem Lächeln auf den Lippen auf den Nachhauseweg machen.

eva_melanie-a5bd463e62271bdf7f73b2392ca9e524
Eva Gulden, Kosmetikerin und Trainerin bei Pierre Fabre Dermo-Kosmetik,
gibt Patientin Melanie ein paar Extratipps für den perfekten Lidstrich.

Zwei Wochen später treffe ich Melanie in einem Café am Hackeschen Markt wieder. Sie trägt heute zum ersten Mal ein Kopftuch, ihre Perücke musste zur Reparatur eingeschickt werden. Der sommerliche Look steht ihr gut. Sie erzählt mir ganz offen von ihrer Krankheit und ihren Ängsten, stellt aber klar, dass sie positiv denkt und ganz sicher ist, bald wieder gesund zu sein. Als wir auf den Avène Workshop und ihre Leidenschaft – das Schminken ‒ zu sprechen kommen, erzählt sie mir, dass sie seit Kurzem einen eigenen Youtube-Kanal hat, auf dem sie selbst gedrehte Schmink-Tutorials einstellt und so ihr Talent und ihre Leidenschaft mit einem Publikum teilt. „Ich fand das schon immer toll, habe mich aber nie getraut. Eigentlich lustig, dass gerade die Krankheit mir dabei geholfen hat, über meinen Schatten zu springen, dieses kleine Abenteuer zu wagen und mir einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen. Was bringt es, den Kopf in den Sand zu stecken, weil ich jetzt krank bin? Ich nutze meine Zeit viel intensiver, traue mich mehr und versuche einfach mein Leben zu genießen – und ich glaube, genau das hilft zu heilen."

25 Jahre Eau Thermale Avène

Die onkologische Forschung und Entwicklung hat für Pierre Fabre Dermo-Kosmetik seit über 30 Jahren oberste Priorität. Jährlich werden rund 30 Prozent des Pharma-Umsatzes in die Erforschung innovativer Krebstherapien investiert. Auch Pierre Fabre selbst engagierte sich persönlich für den Bau des größten Krebsforschungszentrums Frankreichs, Oncopole in Toulouse. Avène arbeitet seit mehreren Jahren zusätzlich mit DKMS LIFE, einer gemeinnützige Schwesterorganisation der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, zusammen, die zahlreiche Make-up-Workshops für Onkologie-Patientinnen veranstaltet, welche von Avène unterstützt werden.