Urlaubsvergnügen mit Augenzwinkern

Juli 2017

In unserer Kolumne schreibt Redakteurin Michelle Lang über die kleinen und großen Freuden des Sommerurlaubs. Im Mittelpunkt: ihre etwas andere Lieblingsbeschäftigung.

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Urlaubszeit ist doch wirklich die schönste Zeit des Jahres – einfach die Sonne genießen, lesen, spazieren gehen, schwimmen, essen und guten Wein trinken oder auch mal nichts tun – ganz entspannt eben. Apropos entspannt: Hierzu muss ich erwähnen, dass der Beginn eines Urlaubs bei mir nicht viel mit Relaxen zu tun hat. Meinem Vorbereitungen erinnern eher an wildes Herumgehetze: „Habe ich alle wichtigen Dinge im Büro erledigt?“, „Wer gießt die Blumen, während ich weg bin?“, „Wo ist bloß mein roter Lieblingsbikini? Den hab ich letztens noch gesehen!“ Nach dem Kofferpacken habe ich den Urlaub noch tausendmal nötiger als vorher … Alles gipfelt dann vor einem frühen Abflug darin, dass ich fast überhaupt nicht schlafen kann, aus Angst, einen meiner drei Wecker zu überhören und meinen Flug zu verpassen. „Bye-bye, du wohlverdienter Sommerurlaub!“ Natürlich ist mir so etwas noch nie passiert und ja, zugegeben, ich übertreibe vielleicht ein bisschen, aber ich mag es eben gerne geordnet und gut organisiert.
In diesem Jahr bin ich wieder am Meer. Die Freude könnte nicht größer sein! Denn der Sommerurlaub bietet mir neben Sonne und Entspannung immer eine einzigartige Gelegenheit, einer meiner Lieblingsbeschäftigungen zu frönen: Ich beobachte unheimlich gern die Menschen um mich herum (und damit bin ich sicher nicht die Einzige, stimmt’s?). Für mich gibt es nichts Amüsanteres und manchmal auch nichts Lehrreicheres – besser als Kino, finde ich. Das Ganze gipfelt im Sommer am Strand. Dann ist der Höhepunkt dieses äußerst kurzweiligen Zeitvertreibs erreicht.

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Nach jahrelangem Training auf diesem Gebiet kann ich heute übrigens einige Klischees, die sich auf die verschiedenen Nationalitäten beziehen, durchaus bestätigen. So blöd manches auch klingen mag, es ist eben doch nicht alles so weit hergeholt, wie immer behauptet wird. Engländer erkennt man beispielsweise meist an ihrer zu Beginn des Urlaubs schneeweißen Hautfarbe, die jedoch nach spätestens zwei Tagen ins Krebsrote übergegangen ist. Daher kommt wohl auch der schöne Spitzname „Crevettes“ (Garnelen), wie die Engländer in Frankreich gerne bezeichnet werden. Und das ist nicht verwunderlich: Während in den Mittagsstunden, in denen die Sonne am heißesten brennt, die meisten anderen Urlauber und Einheimischen Siesta machen, liegen die Engländer noch immer auf ihren Strandtüchern – und zwar ohne Sonnenschirm. Naja, wer nicht hören will, muss eben fühlen. Dann sind da auch noch die Franzosen, die sich meist dadurch auszeichnen, dass sie sich gerne lauthals miteinander unterhalten, alles kommentieren (vor allem das Essen!) und ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass sie niemand versteht. Das kann allerdings auch ganz schön nach hinten losgehen – durfte ich selbst schon miterleben! Trotzdem muss ich, nicht ganz neidlos, zugeben, dass die Französinnen, aber auch die Italienerinnen, am Strand eine besonders gute Figur machen. Ihr lässiger Chic ist auch hier nicht zu übersehen – selbst wenn die Damen nur einen Bikini und einen luftigen Pareo tragen. Beeindruckend!

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Nicht zu vergessen und wahrscheinlich sogar Spitzenreiter bei den länderspezifischen Urlauberklischees sind natürlich wir Deutschen. „Ordnung muss sein“ scheint auch in den Ferien das Motto zu lauten. Wir belegen wirklich, und das bestätigt sich (leider) immer wieder, morgens in aller Herrgottsfrühe zwischen sieben und acht Uhr, Liegen mit Handtüchern oder, noch schlimmer, laufen in Sandalen beziehungsweise neuerdings Trekkingsandalen und Socken herum. Dieses Phänomen werde ich nie, nie, niemals verstehen! Spätestens nach so einem Auftritt erwische ich mich dabei, wie ich mich ein bisschen für meine eigene Herkunft schäme. Klar, diese Marotten machen einen nicht zu einem schlechteren Menschen und gelten auch sicherlich nicht für alle – was sage ich Ihnen, Klischees eben. Und ehrlich gesagt, bin ich spätestens im Urlaub auch sehr froh über diese amüsanten Begebenheiten, denn sonst würde ja Langeweile aufkommen. Oh, da fällt mir ein, ich muss los. Es ist schon kurz vor halb acht und ich möchte unbedingt wieder meinen Lieblingsplatz am Strand ergattern – oje, ertappt!

Unsere Autorin



Michelle Lang freut sich wie jedes Jahr auf Sonne, Strand und unterhaltsame Mitmenschen.